IG-DU

Interessengemeinschaft Spur 1 Duisburg

CWH - Chemische Werke Hoerstgen

Die Chemischen Werke Hoerstgen gibt es natürlich im echten Leben nicht. Wohl aber gab es einige Zeit die Chemischen Werke Hüls, CWH.

Die riesige Fabrik ist heute der „Chemiepark Marl“ im Ruhrgebiet und mit einer Fläche von 6,5 qkm einer der grössten Industrieparks Deutschlands. In über 30 Unternehmen arbeiten dort ca. 10.000 Menschen.

Historie

Das Chemiewerk wurde am 9. Mai 1938 in der Drewer Mark in Marl unter dem Namen „Chemische Werke Hüls GmbH“ gegründet. Der Name „Hüls“ geht auf die Nähe zum angrenzenden Marler Stadtteil zurück, wo der Mutterkonzern I.G. Farben schon eine Zeche betrieb. 

Bis zum Beginn des 2. Weltkrieges arbeiteten dort bereits über 5.000 Menschen. Im Dritten Reich wurde hauptsächlich Buna (synthetischer Kautschuk) für die Produktion von Reifen hergestellt. Im Laufe des Kriegs wurden vermehrt Zwangsarbeiter eingesetzt, die in den mittlerweile leeren Lagern der deutschen Beschäftigten lebten. Das Chemiewerk war mehrfach Ziel von Bombenangriffen. Der schwerste von ihnen, im Sommer 1943, legte das Werk für etwa drei Monate still. Als Marl am 31. März 1945 von amerikanischen Truppen erobert wurde, konnte eine Sprengung des Werks durch deutsche Truppen verhindert werden.

Am Ende des Krieges war die Mitarbeiterzahl von etwa 10.000 auf nur noch 500 gesunken. Der Betrieb wurde unter englische Verwaltung gestellt und musste seine Produkte ändern. 1953 wurden die Chemischen Werke Hüls aus alliierter Kontrolle entlassen und in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Bald firmierte der Komplex unter Chemische Werke Hüls AG, mit dem Hauptaugenmerk auf Kunststoffe, Rohstoffe für Waschmittel und wieder Buna.

1998 übernahm die Firma Infracor, ein Tochterunternehmen der Evonik Degussa GmbH, das Gelände als Betreiber.

Im Chemiepark Marl werden heute in circa 100 Anlagen mehr als 4.000 chemische Produkte hergestellt.


Unser IG-Mitglied Hardy ist in diesem Werk beruflich tätig und für die Instandhaltung verschiedener Anlagen verantwortlich. Von einer inzwischen abgerissenen Anlage existierte noch ein Maßstabsmodell in 1:33 für den damaligen Bau dieser Anlage, vermutlich aus Anfang der 1960er Jahre. Diese Anlage produzierte Grundstoffe für Waschmittel und Seifen.

Das Modell sollte ursprünglich entsorgt werden und konnte lediglich durch harte Intervention von Hardy gerettet werden.

Aus Spionage-Sicherheitsgründen war der Erwerb des Modells auch nur möglich, weil es die Anlage nicht mehr gibt.

                2/3 des Werkes    

das Modell (nicht das von Kraftwerk ;-)

Neben Zeichnungen, Plänen und Statiken, wie sie ein Architekt für jedes Haus anfertigt, wurde (und wird teilweise immer noch) vorab ein massstäbliches Modell der zu errichtenden Anlage angefertigt. So kann man bspw. den Verlauf von Leitungen verfolgen und auf Plausibilität prüfen. Die Fertigung erfordert nicht nur hohen Sachverstand, sondern logischerweise auch modellbauerisches Können. Solche speziellen Arbeiten kosten viele Tausend Euro, damals D-Mark.

Unsere Anlage besteht aus sieben Elementen mit einer Fläche von knapp 9 qm und einer maximalen Höhe von 2 m.

Die Überführung von Marl nach Kamp-Lintfort fand am 25.02.2016 statt und war für unsere IG ein kleines logistisches Meisterwerk:

  • 8 Terminkalender mussten abgeglichen werden
  • ca. 60 Mails wurden vorab versendet
  • Genehmigungen für den Erwerb des Modells und schliesslich das Betreten und Befahren des Werkes mussten eingeholt werden
  • Für den Transport waren ein Sprinter, ein Transit, ein Kombi und zwei grosse Anhänger erforderlich
  • ein grosser Eintopf Linsen mit Einlage musste bereitet werden

Aufgrund des Alters (40-50 Jahre) und dem Umstand geschuldet, dass das Modell einige Jahre „im Weg“ stand, sind viele kleinere Schäden an dem Kunstwerk. Abgebrochene Leitungen, Verschmutzungen, verlorene Schilder, etc. lassen sich aber grösstenteils wieder herrichten.

Geplant ist, das Werk in der kleinen Halle zu errichten und selbstverständlich die Eisenbahnwaggon-Füllanlage für hohen Spielspass an exponierter Stelle zu platzieren.

Seit August 2016 finden kleinere Reparaturarbeiten an der Anlage statt. Ausserdem haben wir begonnen, die Anlage zu säubern und die Stahlträgerkonstruktion in Reseda-Grün zu streichen. Der neue Kontrast steht dem Werk gut.